Los

69

ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)

In Meisterwerke

Diese Auktion ist eine LIVE Auktion! Sie müssen für diese Auktion registriert und als Bieter freigeschaltet sein, um bieten zu können.
Sie wurden überboten. Um die größte Chance zu haben zu gewinnen, erhöhen Sie bitte Ihr Maximal Gebot.
Ihre Registrierung wurde noch nicht durch das Auktionshaus genehmigt. Bitte, prüfen Sie Ihr E-Mail Konto für mehr Details.
Leider wurde Ihre Registrierung durch das Auktionshaus abgelehnt. Sie können das Auktionshaus direkt kontaktieren über 0043-676-555 66 10 um mehr Informationen zu erhalten.
Sie sind zurzeit Höchstbieter! Um sicher zustellen, dass Sie das Los ersteigern, melden Sie sich zum Live Bieten an unter , oder erhöhen Sie ihr Maximalgebot.
Geben Sie jetzt ein Gebot ab! Ihre Registrierung war erfolgreich.
Entschuldigung, die Gebotsabgabephase ist leider beendet. Es erscheinen täglich 1000 neue Lose auf lot-tissimo.com, bitte starten Sie eine neue Anfrage.
Das Bieten auf dieser Auktion hat noch nicht begonnen. Bitte, registrieren Sie sich jetzt, so dass Sie zugelassen werden bis die Auktion startet.
1/3
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)  - Bild 1 aus 3
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)  - Bild 2 aus 3
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)  - Bild 3 aus 3
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)  - Bild 1 aus 3
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)  - Bild 2 aus 3
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)  - Bild 3 aus 3
Sie interessieren sich für den Preis dieses Loses?
Preisdatenbank abonnieren
Wien
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)
Tänzerin, 1920
Bleistift und Buntstift/Papier, 25,6 x 24 cm
signiert E. Lichtblau, datiert 1920
Provenienz: Siebers Auktionen Stuttgart 2013, Privatsammlung Wien

SCHÄTZPREIS: € 1.000 - 2.000

Österreichischer Architekt und Künstler des 20. Jahrhunderts. Stammte aus einer jüdischen Familie. Sein Vater war Geschäftsführer der größten Meerschaumpfeifenfabrik der Donaumonarchie mit Sitz in der Hermanngasse in Wien. Studierte 1902 bis 1905 Architektur an der Akademie der bildenden Künste bei Otto Wagner. Ab 1912 Mitglied des Deutschen Werkbundes, 1914 Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbundes. Freiberuflicher Architekt und freier Mitarbeiter der Wiener Werkstätte. 1938 Emigration in die USA, ab 1947 Lehrauftrag für Innenarchitektur an der School of Design in Rhode Island. 1961 Rückkehr nach Wien. Schuf u.a. Kostüm- und Bühnenbildentwürfe.

Ernst Lichtblau wuchs als jüngster von drei Brüdern in einer wohl situierten jüdischen Familie in Wien auf. Sein Vater, Johann Lichtblau, war Geschäftsführer der damals größten Meerschaumpfeifenfabrik der Donaumonarchie, die Eigentum seiner Verwandtschaft war und ihren Sitz in der Hermanngasse am Wiener Spittelberg hatte. Bereits früh gefördert, absolvierte Ernst Lichtblau 1902 die Staatsgewerbeschule und besuchte in den Jahren 1902 bis 1905 die Meisterklasse bei otto Wagner an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Nach seinem Studium kehrte er erneut an die Staatsgewerbeschule zurück, um dort bis 1914 Fachzeichnen für Möbeltischlerei zu unterrichten. Ab 1912 war Ernst Lichtblau Mitglied des „Deutschen Werkbundes“ und 1914 Gründungsmitglied des „Österreichischen Werkbundes“. Nebenher war Lichtblau als freier Mitarbeiter der Wiener Werkstätte sowie als freiberuflicher Architekt tätig. Zu seinen wichtigsten Bauten zählen u.a. das „Schokoladenhaus“ in Wien Hietzing und ein Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung. Zudem beaufsichtigte er als Architekt 1922/1923 den Umbau und die Neufassadierung des Hauses „Zum Schwarzen Mohr“, ein Geschäftsgebäude seiner Verwandtschaft. 1939 musste Lichtblau über England in die USA emigrieren, wo er 1947 einen Lehrauftrag für Innenarchitektur an der School of Design in Rhode Island annahm und bis zu seiner Pensionierung unterrichtete. Zwei Jahre vor seinem Tod kehrte Ernst Lichtblau 1961 nach Wien zurück, um seine Arbeit als freier Architekt wieder aufzunehmen. Das vorliegende Bild eine Rarität zu nennen, ist wahrlich keine Übertreibung. Zwar ist Ernst Lichtblau durchaus eine wichtige und bekannte Größe der Zwischenkriegszeit, allerdings in seiner Eigenschaft als Architekt und nicht als Maler. Bilder aus seiner Hand sind auf dem Kunstmarkt kaum zu finden. Lichtblau studiert an der Wiener Akademie der bildenden Künste; er ist einer der wenigen Schüler des großen Otto Wagners, die sich von der monumentalisierenden Ausrichtung ihres Lehrers ab- und sich der zeitgenössischen Moderne zuwenden. In Wien entwirft Lichtblau eine ganze Reihe Wohn-, Geschäfts- und öffentliche Bauten, die heute größtenteils, soweit noch erhalten, unter Denkmalschutz stehen. Auch als Innenraum- und Möbelgestalter tritt er hervor. Seine künstlerische Eigenständigkeit stellt Lichtblau bereits in frühen Aufträgen unter Beweis. Sein vielleicht bekanntestes Bauwerk ist das „Schokoladenhaus“ von 1914, ein Mietshaus in der Wattmanngasse in Wien-Hietzing. Dort versieht er im Gegensatz zur damals gängigen flächigen Fassadengestaltung den kubischen Baukörper mit betont plastisch durchgeformtem Keramik-Dekor. Als wegweisend erweist sich auch seine Ausformung der Fensterbänder, mit der Lichtblau Kriterien der Architektur der Zwanzigerjahre antizipiert. 1923/1924 baut Ernst Lichtblau das Haus „Zum schwarzen Mohr“, den Sitz der im Eigentum seiner Verwandtschaft befindlichen Meerschaumpfeifenfabrik und Tabakimportfirma Adolf Lichtblau & Co., in der Hermanngasse am Spittelberg um und gestaltet die Fassade neu. Die surrealen Figuren weisen in ihrer voluminösen Wolkenhaftigkeit eine frappierende Ähnlichkeit mit den Keramik-Figuren an der Fassade des „Schokoladenhauses“ und dem Haus „Zum schwarzem Mohr“ auf. Eine in ein wallendes weißes Gewand gehüllte Frau von entrücktem Gesichtsausdruck betritt mit großem Ausfallschritt eine Art Theaterbühne, die mit schweren Vorhängen flankiert ist. In ihrer Hand hält sie eine Schale voller Blüten, die sie allerdings kaum zu berühren scheint. Ihren Kopf wirft sie in einer theatralischen Geste zurück und unterstreicht diese Bewegung mit ihrem rechten Arm. Seitlich vor ihr baut Lichtblau ein filigranes Gerüst in Form eines Rauchgefäßes auf, das heftig qualmt und von einem starken Wind zur Seite geblasen wird. Merkwürdigerweise kommt dieser nicht aus derselben Richtung wie jener Wind, der das Gewand bewegt. Über der Frau und vor dem Theatervorhang schwebt ein Putto in einer Wolke. Mit Pfeil und Bogen ausgestattet, hat dieser sein Ziel bereits ins Auge gefasst und wirkt wie in einer Gloriole eingebettet, beschützend auf diese Szenerie. Hinter der Bühne eröffnet sich kaum merklich eine Landschaft. Während sich zur linken Seite eine Bergformation aus dem Wasser erhebt, scheint ein Gondoliere-Paar sich vom Rand der Bühne mit einem Ruder abzustoßen und sich auf eine unbekannte Reise zu begeben. Die letztlich unergründliche Szene lässt an esoterische, lebensreformerische oder anthroposophische Einflüsse denken, genauso wie an eine spielerische Auseinandersetzung mit einem Theaterstück, etwa Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“. Ein wenig mutet sie auch wie ein archaisches Opferopferritual an. Was oder wer hier wem geopfert wird, warum und zu welchem Zweck, darüber wird der Betrachter im Dunkeln gelassen. Gut möglich, dass das Bild auch eine Traumwelt abbildet. Auch von anderen österreichischen Künstlern der Zeit, wie Alfred Kubin oder Franz Sedlacek, wird die Traumwirklichkeit als Thema in faszinierender Weise aufgegriffen. Ernst Lichtblau mit seiner vom Jugendstil Otto Wagners beeinflussten Bildsprache bringt sich in idiosynkratischer Manier in den zeitgenössischen Kunst- oder gar Traumdiskurs ein.

ERNST LICHTBLAU*
(Vienna 1883 - 1963 Vienna)
Dancer, 1920
pencil and colored pencil/paper, 25,6 x 24 cm
signed E. Lichtblau and dated 1920
Provenance: Siebers auctions Stuttgart 2013, private collection Vienna

ESTIMATE € 1.000 - 2.000

Austrian architect and artist of the 20th century. Came from a Jewish family. His father was the managing director of the largest meerschaum pipe factory in the Danube monarchy, located in Hermanngasse in Vienna. Studied architecture at the Academy of Fine Arts under Otto Wagner from 1902 to 1905. From 1912 member of the Deutscher Werkbund, 1914 founding member of the Österreichischer Werkbund. Freelance architect and freelancer for the Wiener Werkstätte. 1938 emigration to the USA, from 1947 lectureship in interior design at the School of Design in Rhode Island. 1961 return to Vienna. Created costume and stage designs, among others.

Ernst Lichtblau grew up as the youngest of three brothers in a well-to-do Jewish family in Vienna. His father, Johann Lichtblau, was managing director of what was then the largest meerschaum pipe factory in the Danube monarchy, which was owned by his relatives and had its headquarters in Hermanngasse on Vienna's Spittelberg. With support from an early age, Ernst Lichtblau graduated from the state trade school in 1902 and from 1902 to 1905 attended Otto Wagner's master class at the Vienna Academy of Fine Arts. After completing his studies, he returned to the state trade school, where he taught technical drawing for furniture making until 1914. From 1912 Ernst Lichtblau was a member of the "Deutscher Werkbund" and in 1914 a founding member of the "Österreichischer Werkbund". In addition, Lichtblau worked as a freelancer at the Wiener Werkstätte and as a freelance architect. His most important buildings include the "Chocolate House" in Vienna Hietzing and a semi-detached house in the Vienna Werkbundsiedlung. In 1922/1923, as an architect, he also oversaw the renovation and re-facade of the house "Zum Schwarzen Mohr", a business building belonging to his relatives. In 1939 Lichtblau had to emigrate via England to the USA, where he accepted a teaching position for interior design at the School of Design in Rhode Island in 1947 and taught until his retirement. Two years before his death, Ernst Lichtblau returned to Vienna in 1961 to resume his work as a freelance architect. To call the present picture a rarity is certainly not an exaggeration. It is true that Ernst Lichtblau is an important and well-known figure of the interwar period, but in his capacity as an architect and not as a painter. Pictures from his hand are hard to find on the art market. Lichtblau studied at the Vienna Academy of Fine Arts; he is one of the few students of the great Otto Wagner who turned away from the monumental orientation of their teacher and turned to contemporary modernism. In Vienna, Lichtblau designed a whole series of residential, commercial and public buildings, most of which are listed as monuments to the extent that they are still intact. He also stands out as an interior and furniture designer. Lichtblau already demonstrated his artistic independence in early commissions. Perhaps his most famous building is the “Chocolate House” from 1914, an apartment building on Wattmanngasse in Vienna-Hietzing. In contrast to the flat facade design that was common at the time, he provided the cubic building with a ceramic decor that was emphatically sculpted throughout. His shape of the ribbon windows, with which Lichtblau anticipates criteria of the architecture of the 1920s, also proves to be groundbreaking. In 1923/1924 Ernst Lichtblau remodeled the house "Zum Schwarzen Mohr", the headquarters of the meerschaum pipe factory and tobacco import company Adolf Lichtblau & Co., owned by his relatives, in Hermanngasse on Spittelberg and redesigned the facade. The surreal figures, with their voluminous, cloud-like quality, bear a striking resemblance to the ceramic figures on the facade of the “Chocolate House” and the house “Zum Schwarzen Mohr”. A woman, wrapped in a flowing white robe, with an enraptured facial expression, lunges and steps onto a kind of theater stage flanked by heavy curtains. In her hand she holds a bowl full of flowers, which she hardly seems to touch. She throws her head back in a theatrical gesture and underscores this movement with her right arm. To the side in front of her, Lichtblau builds a filigree framework in the form of a censer, which smokes heavily and is blown aside by a strong wind. Curiously, this does not come from the same direction as the wind that moves the robe. A putto hovers in a cloud above the woman and in front of the theater curtain. Equipped with a bow and arrow, he has already set his sights on his target and acts as if embedded in a halo, protective of this scenery. Behind the stage, a landscape opens up almost imperceptibly. As a mountain formation rises out of the water to the left, a pair of gondoliers appear to push off from the edge of the stage with an oar and embark on an unknown journey. The ultimately unfathomable scene is reminiscent of esoteric, life-reforming or anthroposophical influences, as well as a playful examination of a play, such as Shakespeare's "The Merchant of Venice". It also seems a bit like an archaic sacrificial ritual. The viewer is left in the dark about what or who is being sacrificed to whom, why and for what purpose. It is quite possible that the picture also depicts a dream world. Other Austrian artists of the time, such as Alfred Kubin and Franz Sedlacek, also took up the theme of dreams in a fascinating way. Ernst Lichtblau, with his visual language influenced by Otto Wagner's Art Nouveau, contributes in an idiosyncratic manner to the contemporary art or even dream discourse.
ERNST LICHTBLAU* (Wien 1883 - 1963 Wien)
Tänzerin, 1920
Bleistift und Buntstift/Papier, 25,6 x 24 cm
signiert E. Lichtblau, datiert 1920
Provenienz: Siebers Auktionen Stuttgart 2013, Privatsammlung Wien

SCHÄTZPREIS: € 1.000 - 2.000

Österreichischer Architekt und Künstler des 20. Jahrhunderts. Stammte aus einer jüdischen Familie. Sein Vater war Geschäftsführer der größten Meerschaumpfeifenfabrik der Donaumonarchie mit Sitz in der Hermanngasse in Wien. Studierte 1902 bis 1905 Architektur an der Akademie der bildenden Künste bei Otto Wagner. Ab 1912 Mitglied des Deutschen Werkbundes, 1914 Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbundes. Freiberuflicher Architekt und freier Mitarbeiter der Wiener Werkstätte. 1938 Emigration in die USA, ab 1947 Lehrauftrag für Innenarchitektur an der School of Design in Rhode Island. 1961 Rückkehr nach Wien. Schuf u.a. Kostüm- und Bühnenbildentwürfe.

Ernst Lichtblau wuchs als jüngster von drei Brüdern in einer wohl situierten jüdischen Familie in Wien auf. Sein Vater, Johann Lichtblau, war Geschäftsführer der damals größten Meerschaumpfeifenfabrik der Donaumonarchie, die Eigentum seiner Verwandtschaft war und ihren Sitz in der Hermanngasse am Wiener Spittelberg hatte. Bereits früh gefördert, absolvierte Ernst Lichtblau 1902 die Staatsgewerbeschule und besuchte in den Jahren 1902 bis 1905 die Meisterklasse bei otto Wagner an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Nach seinem Studium kehrte er erneut an die Staatsgewerbeschule zurück, um dort bis 1914 Fachzeichnen für Möbeltischlerei zu unterrichten. Ab 1912 war Ernst Lichtblau Mitglied des „Deutschen Werkbundes“ und 1914 Gründungsmitglied des „Österreichischen Werkbundes“. Nebenher war Lichtblau als freier Mitarbeiter der Wiener Werkstätte sowie als freiberuflicher Architekt tätig. Zu seinen wichtigsten Bauten zählen u.a. das „Schokoladenhaus“ in Wien Hietzing und ein Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung. Zudem beaufsichtigte er als Architekt 1922/1923 den Umbau und die Neufassadierung des Hauses „Zum Schwarzen Mohr“, ein Geschäftsgebäude seiner Verwandtschaft. 1939 musste Lichtblau über England in die USA emigrieren, wo er 1947 einen Lehrauftrag für Innenarchitektur an der School of Design in Rhode Island annahm und bis zu seiner Pensionierung unterrichtete. Zwei Jahre vor seinem Tod kehrte Ernst Lichtblau 1961 nach Wien zurück, um seine Arbeit als freier Architekt wieder aufzunehmen. Das vorliegende Bild eine Rarität zu nennen, ist wahrlich keine Übertreibung. Zwar ist Ernst Lichtblau durchaus eine wichtige und bekannte Größe der Zwischenkriegszeit, allerdings in seiner Eigenschaft als Architekt und nicht als Maler. Bilder aus seiner Hand sind auf dem Kunstmarkt kaum zu finden. Lichtblau studiert an der Wiener Akademie der bildenden Künste; er ist einer der wenigen Schüler des großen Otto Wagners, die sich von der monumentalisierenden Ausrichtung ihres Lehrers ab- und sich der zeitgenössischen Moderne zuwenden. In Wien entwirft Lichtblau eine ganze Reihe Wohn-, Geschäfts- und öffentliche Bauten, die heute größtenteils, soweit noch erhalten, unter Denkmalschutz stehen. Auch als Innenraum- und Möbelgestalter tritt er hervor. Seine künstlerische Eigenständigkeit stellt Lichtblau bereits in frühen Aufträgen unter Beweis. Sein vielleicht bekanntestes Bauwerk ist das „Schokoladenhaus“ von 1914, ein Mietshaus in der Wattmanngasse in Wien-Hietzing. Dort versieht er im Gegensatz zur damals gängigen flächigen Fassadengestaltung den kubischen Baukörper mit betont plastisch durchgeformtem Keramik-Dekor. Als wegweisend erweist sich auch seine Ausformung der Fensterbänder, mit der Lichtblau Kriterien der Architektur der Zwanzigerjahre antizipiert. 1923/1924 baut Ernst Lichtblau das Haus „Zum schwarzen Mohr“, den Sitz der im Eigentum seiner Verwandtschaft befindlichen Meerschaumpfeifenfabrik und Tabakimportfirma Adolf Lichtblau & Co., in der Hermanngasse am Spittelberg um und gestaltet die Fassade neu. Die surrealen Figuren weisen in ihrer voluminösen Wolkenhaftigkeit eine frappierende Ähnlichkeit mit den Keramik-Figuren an der Fassade des „Schokoladenhauses“ und dem Haus „Zum schwarzem Mohr“ auf. Eine in ein wallendes weißes Gewand gehüllte Frau von entrücktem Gesichtsausdruck betritt mit großem Ausfallschritt eine Art Theaterbühne, die mit schweren Vorhängen flankiert ist. In ihrer Hand hält sie eine Schale voller Blüten, die sie allerdings kaum zu berühren scheint. Ihren Kopf wirft sie in einer theatralischen Geste zurück und unterstreicht diese Bewegung mit ihrem rechten Arm. Seitlich vor ihr baut Lichtblau ein filigranes Gerüst in Form eines Rauchgefäßes auf, das heftig qualmt und von einem starken Wind zur Seite geblasen wird. Merkwürdigerweise kommt dieser nicht aus derselben Richtung wie jener Wind, der das Gewand bewegt. Über der Frau und vor dem Theatervorhang schwebt ein Putto in einer Wolke. Mit Pfeil und Bogen ausgestattet, hat dieser sein Ziel bereits ins Auge gefasst und wirkt wie in einer Gloriole eingebettet, beschützend auf diese Szenerie. Hinter der Bühne eröffnet sich kaum merklich eine Landschaft. Während sich zur linken Seite eine Bergformation aus dem Wasser erhebt, scheint ein Gondoliere-Paar sich vom Rand der Bühne mit einem Ruder abzustoßen und sich auf eine unbekannte Reise zu begeben. Die letztlich unergründliche Szene lässt an esoterische, lebensreformerische oder anthroposophische Einflüsse denken, genauso wie an eine spielerische Auseinandersetzung mit einem Theaterstück, etwa Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“. Ein wenig mutet sie auch wie ein archaisches Opferopferritual an. Was oder wer hier wem geopfert wird, warum und zu welchem Zweck, darüber wird der Betrachter im Dunkeln gelassen. Gut möglich, dass das Bild auch eine Traumwelt abbildet. Auch von anderen österreichischen Künstlern der Zeit, wie Alfred Kubin oder Franz Sedlacek, wird die Traumwirklichkeit als Thema in faszinierender Weise aufgegriffen. Ernst Lichtblau mit seiner vom Jugendstil Otto Wagners beeinflussten Bildsprache bringt sich in idiosynkratischer Manier in den zeitgenössischen Kunst- oder gar Traumdiskurs ein.

ERNST LICHTBLAU*
(Vienna 1883 - 1963 Vienna)
Dancer, 1920
pencil and colored pencil/paper, 25,6 x 24 cm
signed E. Lichtblau and dated 1920
Provenance: Siebers auctions Stuttgart 2013, private collection Vienna

ESTIMATE € 1.000 - 2.000

Austrian architect and artist of the 20th century. Came from a Jewish family. His father was the managing director of the largest meerschaum pipe factory in the Danube monarchy, located in Hermanngasse in Vienna. Studied architecture at the Academy of Fine Arts under Otto Wagner from 1902 to 1905. From 1912 member of the Deutscher Werkbund, 1914 founding member of the Österreichischer Werkbund. Freelance architect and freelancer for the Wiener Werkstätte. 1938 emigration to the USA, from 1947 lectureship in interior design at the School of Design in Rhode Island. 1961 return to Vienna. Created costume and stage designs, among others.

Ernst Lichtblau grew up as the youngest of three brothers in a well-to-do Jewish family in Vienna. His father, Johann Lichtblau, was managing director of what was then the largest meerschaum pipe factory in the Danube monarchy, which was owned by his relatives and had its headquarters in Hermanngasse on Vienna's Spittelberg. With support from an early age, Ernst Lichtblau graduated from the state trade school in 1902 and from 1902 to 1905 attended Otto Wagner's master class at the Vienna Academy of Fine Arts. After completing his studies, he returned to the state trade school, where he taught technical drawing for furniture making until 1914. From 1912 Ernst Lichtblau was a member of the "Deutscher Werkbund" and in 1914 a founding member of the "Österreichischer Werkbund". In addition, Lichtblau worked as a freelancer at the Wiener Werkstätte and as a freelance architect. His most important buildings include the "Chocolate House" in Vienna Hietzing and a semi-detached house in the Vienna Werkbundsiedlung. In 1922/1923, as an architect, he also oversaw the renovation and re-facade of the house "Zum Schwarzen Mohr", a business building belonging to his relatives. In 1939 Lichtblau had to emigrate via England to the USA, where he accepted a teaching position for interior design at the School of Design in Rhode Island in 1947 and taught until his retirement. Two years before his death, Ernst Lichtblau returned to Vienna in 1961 to resume his work as a freelance architect. To call the present picture a rarity is certainly not an exaggeration. It is true that Ernst Lichtblau is an important and well-known figure of the interwar period, but in his capacity as an architect and not as a painter. Pictures from his hand are hard to find on the art market. Lichtblau studied at the Vienna Academy of Fine Arts; he is one of the few students of the great Otto Wagner who turned away from the monumental orientation of their teacher and turned to contemporary modernism. In Vienna, Lichtblau designed a whole series of residential, commercial and public buildings, most of which are listed as monuments to the extent that they are still intact. He also stands out as an interior and furniture designer. Lichtblau already demonstrated his artistic independence in early commissions. Perhaps his most famous building is the “Chocolate House” from 1914, an apartment building on Wattmanngasse in Vienna-Hietzing. In contrast to the flat facade design that was common at the time, he provided the cubic building with a ceramic decor that was emphatically sculpted throughout. His shape of the ribbon windows, with which Lichtblau anticipates criteria of the architecture of the 1920s, also proves to be groundbreaking. In 1923/1924 Ernst Lichtblau remodeled the house "Zum Schwarzen Mohr", the headquarters of the meerschaum pipe factory and tobacco import company Adolf Lichtblau & Co., owned by his relatives, in Hermanngasse on Spittelberg and redesigned the facade. The surreal figures, with their voluminous, cloud-like quality, bear a striking resemblance to the ceramic figures on the facade of the “Chocolate House” and the house “Zum Schwarzen Mohr”. A woman, wrapped in a flowing white robe, with an enraptured facial expression, lunges and steps onto a kind of theater stage flanked by heavy curtains. In her hand she holds a bowl full of flowers, which she hardly seems to touch. She throws her head back in a theatrical gesture and underscores this movement with her right arm. To the side in front of her, Lichtblau builds a filigree framework in the form of a censer, which smokes heavily and is blown aside by a strong wind. Curiously, this does not come from the same direction as the wind that moves the robe. A putto hovers in a cloud above the woman and in front of the theater curtain. Equipped with a bow and arrow, he has already set his sights on his target and acts as if embedded in a halo, protective of this scenery. Behind the stage, a landscape opens up almost imperceptibly. As a mountain formation rises out of the water to the left, a pair of gondoliers appear to push off from the edge of the stage with an oar and embark on an unknown journey. The ultimately unfathomable scene is reminiscent of esoteric, life-reforming or anthroposophical influences, as well as a playful examination of a play, such as Shakespeare's "The Merchant of Venice". It also seems a bit like an archaic sacrificial ritual. The viewer is left in the dark about what or who is being sacrificed to whom, why and for what purpose. It is quite possible that the picture also depicts a dream world. Other Austrian artists of the time, such as Alfred Kubin and Franz Sedlacek, also took up the theme of dreams in a fascinating way. Ernst Lichtblau, with his visual language influenced by Otto Wagner's Art Nouveau, contributes in an idiosyncratic manner to the contemporary art or even dream discourse.

Meisterwerke

Auktionsdatum
Ort der Versteigerung
Johannesgasse 9-13
Wien
1010
Austria

Abholung der Werke nach Absprache.

Solten Sie einen Versand wünschen, wenden Sie sich bitte an: 
Mailboxes
Email: oper@mbe-co.at
Tel: 01 5128855

Bitte beachten Sie, dass Lagerkosten anfallen können, wenn die Werke nicht innerhalb von 14 bzw. 28 Tagen nach Erhalt der Rechnung abgeholt werden.

 

We will send you the invoice shortly after the auction. As soon as we have recieved the amount, the art can be picked up at Johannesgasse 9-13, 1010 Vienna. Please note that the buyer is responsible for pick-up and shipping of the lot.

Should you wish to ship your items, please contact: 

Mailboxes
Email: oper@mbe-co.at
Tel: 01 5128855

Please note that storage fees may apply, should the pieces not be picked up within 14 days after invoicing for domestic and 28 days for international transportation.

Our team will be happy to assist you with any further information at office@widderauktionen.com or at 0043 676 555 66 10.

Wichtige Informationen

Das Aufgeld beträgt 28% bei Differenzbesteuerung. Die Umsatzsteuer ist bei der Differenzbesteuerung inkludiert.
Bei Normalbesteuerung Aufgeld von 24%. Auf die Summe von Meistbot und Aufgeld kommt bei Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen sowie Skulpturen die gesetzliche Umsatzsteuer von 13%, für alle anderen Objekte 20% hinzu.

Zu Aufgeld und Mehrwertsteuer prüfen Sie bitte das jeweilige Los.
For buyer’s premium and VAT please check particular lot.

 

AGB

Auktionsbedingungen
Auszug aus der Geschäftsordnung, Stand April 2022

 

Die Auktionen werden nach der Geschäftsordnung der Widder Auktionen der Kunsthandel Widder GmbH durchgeführt. Diese liegt mit genauem Wortlaut im Auktionshaus auf und kann auf www.widderauktionen.com abgerufen werden.

 

Schätzpreise, Ausrufpreis, Mindestverkaufspreis, Limit, Zuschlag

Bei Objektbeschreibungen wird ein oberer und unterer Schätzpreis in Euro angegeben. Innerhalb dieser Spanne wird das Meistbot erwartet. Online ist auch der Ausrufpreis angeführt. Der Ausrufpreis ist in der Regel der untere Schätzpreis, er kann jedoch höher oder niedriger angesetzt werden. Gesteigert wird um ca. 10%, wobei davon abgewichen werden kann. Das Meistbot erhält den Zuschlag, sofern der Mindestverkaufspreis erreicht wurde. Bestimmt der Verkäufer/die Verkäuferin das Objekt nicht unter einem festgesetzten Preis zu verkaufen, spricht man von Mindestverkaufspreis oder Limit. Wenn dieses nicht erreicht wird, gilt ein Zuschlag unter Vorbehalt. Meistbietende sind verpflichtet innerhalb von 7 Tagen nach Rechnungslegung den Kaufpreis zu zahlen.

 

Kaufpreis

Der Kaufpreis besteht aus Meistbot zuzüglich des Aufgeldes, der Umsatzsteuer sowie gegebenenfalls der Folgerechtsabgabe. Das Aufgeld beträgt 28% bei Differenzbesteuerung. Die Umsatzsteuer ist bei der Differenzbesteuerung inkludiert. Bei Normalbesteuerung (im Katalog mit ° gekennzeichnet) kommt auf das Meistbot ein Aufgeld in der Höhe von 24% hinzu. Auf die Summe von Meistbot und Aufgeld kommt die gesetzliche Umsatzsteuer von 13% hinzu.

 

Folgerecht

Mit * gekennzeichnete Objekte unterliegen dem Folgerecht. Dieses wird in Form eines Zuschlags auf das Meistbot verrechnet. Es gilt erst ab einem Meistbot über 2.499,99 € und ist gestaffelt: für die ersten 50.000 € werden 4% verrechnet. Danach je weiterer 150.000 € 3% bzw. 1% und ab 500.000 € 0,25%. Die maximale Folgerechtsabgabe beträgt 12.500 €.

Echtheitsgarantie

Das Auktionshaus steht gegenüber dem Käufer/der Käuferin innerhalb von zwei Jahren für die Echtheit des Objekts ein und garantiert, dass das Objekt tatsächlich von dem genannten Künstler/der genannten Künstlerin stammt.

 

Katalogangaben und Beschreibung

Angaben von Technik, Signatur, Material, Zustand, Provenienz, etc. erfolgen durch ExpertInnen des Auktionshauses. Es wird jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Angaben geleistet.
Die Beschreibungen der Objekte bedeuten: Vor- und Zuname des Künstlers/der Künstlerin mit Lebensdaten: ein sicheres Werk des Künstlers/der Künstlerin. „signiert“ oder „monogrammiert“: ein eindeutig zuordenbares Werk des Künstlers/der Künstlerin. „Zugeschrieben“: ein wahrscheinliches, aber nicht zwangsläufig authentisches Werk des Künstlers/der Künstlerin. „Umkreis“: ein im Einflussbereich des Künstlers/der Künstlerin entstandenes Werk. „Bezeichnet“: ein wahrscheinliches, aber nicht von der Hand des Künstlers/der Künstlerin signiertes Werk. „Werkstatt“: ein im unmittelbaren Umfeld des Künstlers/der Künstlerin entstandenes Werk. „Schule“: ein in zeitlicher und stilistischer Nähe zum Künstler/zur Künstlerin entstandenes Werk. „Nachfolge“: ein in der Nachfolge entstandenes, stilistisch verwandtes Werk des Künstlers/der Künstlerin.

 

Kaufaufträge

Interessenten können Kaufaufträge schriftlich und online abgeben oder telefonisch mitbieten. Ein ausgefülltes und unterfertigtes Gebotsformular muss zeitgerecht vor der Auktion eingehen. Das Auktionshaus bietet für schriftliche Gebote bis zum angegebenen Meistbot mit.

 

Telefonische Gebote

Interessenten haben die Möglichkeit telefonisch mitzubieten. Das Auktionshaus bemüht sich die angegebene Rufnummer zu erreichen. Kommt keine Telefonverbindung zu Stande, kann das Auktionshaus für die Interessenten bis zum unteren Schätzpreis des Objektes bieten. Das Auktionshaus ist in diesem Fall aber nicht verpflichtet das Gebot auszuführen.

 

Online Bidding, Live Bidding

Bieter/Bieterinnen können auf www.widderauktionen.com sowie auf externen Auktionsplattformen Vorgebote abgeben und live mitbieten.

 

Versicherung

Kunstobjekte sind bis zum Ende der Abholfrist, in der Höhe des Meistbots, gegen Verlust und Beschädigung versichert. Danach ist das Kunstobjekt nur bis maximal 6 Monate nach Rechnungslegung versichert, wenn kein Zahlungsverzug besteht.

 

Gerichtsstand, Rechtswahl

Gerichtsstand und Erfüllungsort für alle Rechtsverhältnisse ist 1010 Wien. Es gilt österreichisches mater  materielles Recht.

 

Vollständige AGBs